Aktuelles

03.03.2016

Stellungnahme: Zur Finanzierung der Motettenreihe

Tübingen, 3. März 2016. In einem Interview im Schwäbischen Tagblatt vom 25.02.2016 wurden finanzielle Fragen als Grund für den Ausstieg des Evangelischen Stifts aus der Motettenreihe thematisiert. Wir nehmen deshalb Stellung zur Finanzierung der Motetten. Seit über 70 Jahren findet die Motette als geistliche Musik in liturgischem Rahmen wöchentlich am Samstagabend in der Stiftskirche statt. Der Eintritt ist frei. Die Trägerschaft für diese weit über Tübingen hinaus wahrgenommene Reihe liegt bei der Evangelischen Gesamtkirchengemeinde. Verantwortlich für die Tübinger Motette ist der Kantor an der Stiftskirche, Ingo Bredenbach.

Der 1. Organist an der Stiftskirche gestaltet jährlich drei Motetten. Die Personalkosten und einen Großteil der Sachkosten finanziert die Evangelische Gesamtkirchen-gemeinde. Die mitwirkenden Chöre, Instrumentalisten und Solisten erhalten vorab schriftlich vereinbarte und damit garantierte Honorare, wie bei entsprechenden kirchenmusikalischen Reihen üblich.  Die Honorare werden aus den Einnahmen der Motette gedeckt, vor allem aus Kollekten und Spenden sowie u.a. aus Zuschüssen des Freundeskreises Tübinger Motette. Diese Einnahmen decken den Aufwand knapp.

Seit Jahrzehnten ist es Usus, dass die eingegangenen Kollekten und Spenden für die gesamte Motettenreihe zur Verfügung stehen. Nur so ist es möglich, die Motettenreihe bei unterschiedlich hohen Kollekteneinnahmen fortzuführen und auch Motetten zu planen, die sich nicht selbst tragen könnten.  Der Engere Rat und der Gesamtkirchengemeinderat der Evangelischen Gesamtkirchen-gemeinde Tübingen befassen sich im Rahmen des Haushaltsplans und der Rechnungsabschlüsse jährlich mit den Einnahmen und Ausgaben der Motette. Im November 2015 bestätigte der Engere Rat die langjährig geltenden Grundsätze der Finanzierung der Motette.

Eine direkte Weiterleitung des jeweiligen Opfers an die Musiker ist auch andernorts nicht die Regel. Viele Gemeinden räumen dies gelegentlich für Gastensembles ein; das Risiko liegt bei den gastierenden Musikern. Bei wöchentlichen Veranstaltungsreihen ist eine solche Finanzierung nicht üblich und auf Dauer nicht durchführbar. Stiftsmusikdirektor i.R. Hans-Peter Braun ging während seines aktiven Dienstes bei den von ihm geleiteten Motetten ebenfalls von dem eingeführten Finanzierungsmodell aus. Als Stiftskirchen-Organist leitete er drei Motetten pro Jahr, davon zwei Semesterschluss-Motetten mit dem Chor des Evangelischen Stifts. Die Honorare für diese Aufführungen wurden im Rahmen seines Dienstauftrags aus den Einnahmen der Motettenreihe finanziert; auch Einnahmen aus anderen Motetten trugen dazu bei.

Zum 01.September 2014 endete die Personalunion zwischen Stiftsmusikdirektor und Organisten-dienst an der Stiftskirche.
Für die 1. Organistenstelle wurde eine neue Lösung gesucht.  Seit dem 01.09.2014 ist Prof. Jens Wollenschläger 1. Organist an der Stiftskirche. Auch weiterhin gehören drei Motetten jährlich zu den Aufgaben des 1. Organisten, seit 2015 nun unter Jens Wollenschlägers Leitung. Dafür stehen ihm die benötigten finanziellen Mittel der Motettenreihe  zur Verfügung.
Im Bereich der Stiftskirchengemeinde liegen das Evangelische Stift, die Hochschule für Kirchenmusik und die  Evangelische Studierendengemeinde (ESG). Alle drei kirchlichen Einrichtungen haben vielfältige Beziehungen zur Stiftskirchengemeinde, die über die Beteiligung an der Motette hinausreichen. Für die Chöre dieser drei Einrichtungen gelten nun die gleichen Regelungen bei der Mitwirkung an der Motette oder bei Konzerten in der Stiftskirche.

Für die Evangelische Gesamtkirchengemeinde Tübingen:
Dekanin Elisabeth Hege


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