Epitaphien

Junker Jakob

Er war die Hoffnung seiner ganzen Sippe aus sächsischem Uradel, begütert in Groß-Germersleben bei Magdeburg. Ein netter, sportlicher, intelligenter Junge mit glänzender Zukunft. 1590 geboren kam er nach Tübingen, um an der Universität Jura zu studieren. Am Collegium Illustre sollte er zudem all die Fertigkeiten erwerben, die ein Junker von Adel mit weltlichen Ambitionen haben sollte – Reiten, Fechten, Tanzen, Jagen, Laute spielen, moderne Fremdsprachen und natürlich auch Latein, denn das war die internationale Sprache damals. Vor allem aber sollte er Verbindungen knüpfen, Leute kennenlernen und Freundschaften schließen. Aber ach, er starb schon mit 16 Jahren 1607, an den Pocken. Leichen überführte man damals sehr ungerne über weitere Strecken, daher wurde er in Tübingen begraben. Nur ein Jahr später folgte ihm der Vater ins Grab. Die Familie stiftete ihren verlorenen Hoffnungen ein Epitaph in der Stiftskirche. Ganz oben ein von Engeln getragenes Bild der schon lange verstorbenen Mutter, darunter der bärtige Vater, Hans von Kotze, und auf der Haupttafel schließlich der Sohn. Ihm gilt die zentrale Inschrift:
ingenio et virtute adeo admirabili...quem nunc pietas Minerva et patria...cum musis lugent tristissime (an Begabung und Tüchtigkeit so bewundernswert, daß Glaube, Wissenschaft und Vaterland zusammen mit den Musen in tiefer Trauer um ihn klagen). Leider war dieses Epitaph in der Vorhalle starken Temperaturschwankungen und ziemlicher Feuchtigkeit ausgesetzt und begann zu zerbröseln. Es bestand Steinschlaggefahr. Daher wurde das Epitaph aufwändig restauriert.

 

Barbara und Dietrich Schnepff

Die zweite Generation der württembergischen Reformatoren tut sich zusammen und bildet eine äußerst fruchtbare Gemeinschaft: Barbara Schnepff, geb. Brenz, und Dietrich Schnepff mit ihren 16 Kindern knien zu Füßen eines sehr symbolreichen Auferstehungsbildes. Lazarus ist da zu sehen, wie er aus seiner Grabhöhle tritt, und Jona, der gerade seinen Wal verläßt, dazu noch ein Pelikan, der, wie es im  Physiologus erklärt wird, sich für seine Jungen aufopfert.

 

Wilhelm Ernst von Waldeck

Wie schön leucht uns der Morgenstern... Dieses so helle und schöne Lied von Philipp Nicolai erinnert an Wilhelm Ernst Graf und Herr zu Waldeck. Die Strophenanfänge bilden ein Akrostichon, das diesen Namen ergibt. Auch er war, wie Junker Jakob, die Hoffnung seiner Familie und als vielversprechender junger Student des Collegium illustre gerade mal 14jährig verstorben. Mit ihm starb seine Familie im Mannesstamm aus. Direkt neben dem Altar der Stiftskirche findet man die Inschrift, die auf sein Grab hindeutet. Die dort gefundene Beigaben sind in einer Vitrine an der Nordwand des Chores ausgestellt.