Die Kanzel

Sie gehört zur ursprünglichen Ausstattung der Kirche, stand aber bis 1962 eine Säule weiter im Innenraum. Predigt ist keine Erfindung der Reformation, sie gibt es seit es Christen gibt. Aber sie war erst nicht Bestandteil des Gottesdienstes. Predigten gab es (in der Volkssprache) als Aufruf zur Buße (und zum Ablaßverkauf). Außerdem wurde (auf Latein) über theologische Themen gepredigt. Eine der Hauptforderungen der Reformation war die Bibelauslegung in der Volkssprache, und die Aufnahme der Predigt in den Gottesdienstablauf.

Die Kanzel der Stiftskirche zeigt zentral Maria mit dem Kind auf der Mondsichel stehend, umgeben von den vier lateinischen Kirchenvätern. Alle vier sitzen am Schreibpult, um sie herum Schreiberwerkzeug und Bücher. So bieten sie einen Einblick in eine mittelalterliche Bibliothek.

Papst Gregor der Große, der Vater der Gregorianik, der das Psalmensingen in den Gottesdienst integriert, hat den Evangelisten Matthäus beigeordnet, der Kardinal Hieronymus, der offensichtlich in einem hebräischen Buch blättert und mit seiner Bibelübersetzung beschäftigt ist, hat den Löwen des Markus bei sich; der Erzbischof Ambrosius von Mailand, der Verfasser von Hymnen und Sequenzen ist begleitet vom Stier des Lukas und der Bischof Augustinus von Hippo, Verfasser umfassender theologischer Streitschriften, wird geführt vom Adler des Johannes.

Am Aufgabe der Kanzel steht ein Männlein, das lebhaft an Anton Pilgram, den Baumeister des Stephandoms in Wien erinnert, der zur einschlägigen Zeit auch im Rottweiler Raum zugange war. Ob er wirklich etwas mit dieser Kanzel zu tun hat, ist allerdings umstritten.