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25.01.2013

Ein vergessenes Oratorium "Johan Hus" von Carl Loewe in der MOTETTE am 26.Januar 2013

Mit einem außergewöhnlichen Projekt wird der Chor des Evangelischen Stifts Tübingen unter der Leitung von Stiftsmusikdirektor Hans-Peter Braun am Samstag, 26. Januar um 20.00 Uhr in der Tübinger Motette in der Stiftskirche zu hören sein.

Im Wintersemester hat der Chor aus Studierenden das unbekannte, 1841 uraufgeführte Oratorium über den böhmischen Reformator „Johan Hus“ von Carl Loewe (1796-1869) erarbeitet. Carl Loewe beschreibt in seinem ergreifenden Werk in einer Art „Oper ohne Szene“ die Reise des böhmischen Reformators von Prag zum Konzil nach Konstanz, das ihn 1415 als Ketzer zum Tode auf dem Scheiterhaufen verurteilte.Als Sonderveranstaltung zur Lutherdekade  (Thema 2013: „Toleranz“) wird das Werk in der Klavierfassung des Komponisten aufgeführt. Die dramatischen Chöre werden von der Orgel  (Tabea Flath), die solistischen Rollen von der Tübinger Konzertpianistin Shoko Hayashizaki am Flügel und von Ulrich Averesch am frisch restaurierten Hinkel-Kunstharmonium begleitet. Das wertvolle Instrument wird mit dieser Sondermotette zum ersten Mal vorgestellt.  Die Vokalsolisten sind Studierende der Gesangsklasse von Andreas Reibenspies, Professor für Gesang an der Staatl. Hochschule für Musik in Trossingen: Marcus Elsässer, Tenor, als Johan Hus, Ruth Dobers und Catherina Witting, Sopran, Franziska Hammerl, Alt, Sven Hildebrandt, Bariton, Klemens Mölkner,  Hyacinthe Deliancourt und Christoph Schweizer, Bass. 

Zur Aufführung: Das Schicksal des tschechischen Reformators Johann Hus (1371-1415) bewegt uns bis heute. Hier hat einer, der kein Ketzer sein wollte, sondern der Kirche seiner Zeit hundert Jahre vor Luther den Spiegel vorhielt, einer, der gegen den Reichtum und das Lasterleben des Klerus wetterte, den „Laienkelch“ forderte, einer, der radikal die Autorität der Heiligen Schrift zum Maßstab kirchlicher Lehre und kirchlichen Handelns machen wollte, seine aus der Bibel gewonnene Wahrheit mit dem Leben bezahlt. Er wollte seine Lehre nicht widerrufen, er wollte sie vor dem Konzil verteidigen. Sein Name Hus bedeutet im Tschechischen „Gans“. Daher sein berühmt gewordener Satz: „Noch ist die Gans nicht gebraten“. Doch das Konzil wollte seine Argumente nicht hören. Am 6. Juli 1415 wurde er im Konstanzer Dom (heute Münster) in einer feierlichen Vollversammlung des Konstanzer Konzils zum Feuertod als Ketzer verurteilt. Kaiser Sigismund brach aus machtpolitischen Interessen seine gegebene Zusage, Hus freies Geleit zu gewähren.
Der für seine Klavierballaden berühmte Komponist Carl Loewe (1796-1869)und sein Librettist August Zeune nahmen sich des Stoffs an. Loewe komponierte sein heute nahezu unbekanntes Oratorium „Johan Hus“ 1841. In demselben Jahr wurde es am 16. Dezember in der Berliner Singakademie uraufgeführt. Loewe selbst verfasste den Klavierauszug der Orchesterpartitur, der für unsere Aufführung als Grundlage dient. Dem großen Chor auf der Orgelempore ist die große Orgel zugeordnet, den vor dem Altar agierenden Solisten das Klavier und das Harmonium. Carl Loewe stammte aus einer Kantorenfamilie und war in Köthen Sängerknabe. Er erhielt Kompositionsunterricht bei Johann Gottlob Türk, studierte in Halle Theologie und ließ sich von Carl Friedrich Zelter in Berlin seine Befähigung zum Schul- und Kirchenmusiker bestätigen. Danach war er 46 Jahre lang als Gymnasiallehrer und städtischer Musikdirektor in Stettin tätig.
Der Librettist, Blindenlehrer, Germanist und Geograph August Zeune (1778-1853) verfasste den Text 1840, zu dem Robert Schumann anerkennend schrieb:„Es ist (ein Text), der auch ohne Musik sich des Lesens lohnte, seines Gedankengehaltes, der edlen echt deutschen Sprache, der natürlichen Anordnung des Ganzen halber. Wer an Einzelnem mäkelt, an einzelnen Worten Anstoß findet, der mag sich seine Texte bei den Göttern holen. Wir würden die Komponisten glücklich schätzen, die immer solche Text zu componieren hätten.“


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