Aktuelles

04.11.2018

MOTETTE - Mozart-Requiem

In der nächsten MOTETTE am Samstag, den 10.11.2018 um 20 Uhr in der Stiftskirche wird das Requiem von Wolfgang Amadé Mozart aufgeführt. Aus-führende sind die Kantorei der Stiftskirche, Christine Reber (Sopran), Christine Müller (Alt), Thomas Volle (Tenor), Lucian Eller (Bass) sowie die Camerata vi-va Tübingen. Die Leitung haben Ingo Bredenbach & Michael Dan. Der Eintritt auch zu dieser Motette ist frei!

Das Requiem ist als Auftragskomposition für Graf Franz von Walsegg und Stuppach entstanden, dessen Gattin Anna am 14.2.1791 verstorben war. Der Auftraggeber hatte die Angewohnheit, Kompositionen - meist anonym - bei Komponisten in Auftrag zu geben, um sie dann in öffentlichen Aufführungen als seine eigenen Werke auszuweisen. Deshalb machte er sich stets die Mühe, die gelieferten Partituren eigenhändig abzuschreiben. Am 14.12.1793 führte Graf von Walsegg ‚sein’ Requiem in der Wiener Neustadt auf. Die Witwe Constanze Mozart hatte, um das volle Honorar für die Lieferung eines Requiems zu erhalten, mehrere Schüler Mozarts um die Vollendung des Torsos gebeten. Sie versuchte zuerst Joseph Eybler mit der Vollendung zu beauf-tragen, dem Mozart in einer Referenz vom 30. Mai 1790 bescheinigt hatte, dass es sich um einen „gründlichen, geschickten Komponisten" handle. Erst nachdem Eybler und weitere Kollegen absagten, wandte sich Constanze Mozart an Franz Xaver Süßmayr, der erst 1791 Schüler Mozarts geworden zu sein scheint. Es gibt keine Hinweise, dass sich die beiden Männer vor 1791 kannten. Constanze konnte sich an diesen Unterricht noch lange Jahre danach lebhaft er-innern: „und ich höre noch Mozart wie oft er zu Süßmayr sagte: „Ei, da stehn die Ochsen wieder am Berge; das verstehst du noch lange nicht“". (Constanze an Maximilian Stadler, 31.5.1827). Gleichwohl war Süßmayr der Schüler, der in den letzten Lebenswochen Mozart zur Hand ging. So schreibt Constanze am 27.3.1799 an den Verlag Breitkopf & Härtel, dem sie die Partitur des ‚Requiem’ anbot: „Als er seinen Tod vorher¬sah, sprach er mit dem Herrn Süßmayr, bat ihn, wenn er wirklich stürbe, ohne es zu endigen, die erste Fuge im letzten Stück zu repetieren". Es gilt als wahrscheinlich, dass Süßmayr für seine Arbeiten Skizzenblätter Mozarts zum Requiem zur Verfügung standen. Maximilian Stadler berichtet „ ... die Witwe sagte mir, es hätten sich auf Mozar's Schreibpulte einige wenige Zettelchen mit Musik vorgefunden, die sie Herrn Süßmayr übergeben habe". Inwieweit Süßmayr kompositorische Entwürfe bei der Arbeit am ‚Sanctus’ und am ‚Benedictus’ sowie am Agnus Dei verwandte, lässt sich nicht mehr feststellen, da nahezu alle Zettelchen unauffindbar sind. Der Musikwissenschaftler Wolfgang Plath fand 1962 ein Skizzen-blatt, auf denen neben Entwürfen zur Zauberflöte auch 4 Takte zum ‚Rex tremendae’ und der Fugenbeginn zu einem Amen in d-moll - wahrscheinlich zum Lacrimosa - festgehalten sind. Für eine Benutzung originalen Skizzenmaterials spricht das Niveau der nachträglich komponierten Sätze, besonders die Sprache des ‚Agnus Dei’. Friedrich Blume schreibt in seinem Aufsatz „Requiem und kein Ende" (1963): „Solange man nicht Kirchenkompositionen Süßmayrs nachweisen kann, die mindestens den Stil des Meisters getreulich nachahmen, ist es geradezu unver-antwortlich, dem unausgewiesenen Schüler die späten Sätze des Requiems zuzutrauen". Solche sind bisher nicht überliefert. In der Süßmayerschen Ergänzung gibt es zahlreiche Kompositionsfehler, vornehmlich Stimmführungsfragen betreffend, Fehler in der logischen Fortführung harmonischer Strukturen und besonders in Fragen der Instrumentierung. Hierzu schreibt Friedrich Blume: „So, wie Süßmayr es gemacht hat, war's gewiß nicht Mozarts Absicht. Es widerspräche aller Erfahrung". Nach Meinung von Franz Beyer, der 1971 eine Neuinstrumentierung unter Beseitigung der Instrumentationsfehler anfertigte, galt es „der Sprache Mozarts, wie sie durch sein Fragment auf uns gekommen ist, nachzuspüren und sie freizulegen".


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