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16.02.2020

"Vierzig Tage" - von Dekanin Elisabeth Hege

Am Aschermittwoch beginnt die Passions- oder Fastenzeit. Sieben Wochen dauert sie. Die Aktion „Sieben Wochen ohne…“ hat das wieder verstärkt zu Bewusstsein gebracht. Aber wie kommt es zu den sieben Wochen? Eigentlich geht diese Zahl von Aschermittwoch bis zum Ostersonntag doch nicht ganz auf.

Die älteste Christenheit beging ursprünglich nur eine einzige Nacht. Karfreitag und Ostersonntag fielen gewissermaßen zusammen, in einer Nacht des Fastens, der Lesungen und Gebete. Gegen Morgen wurde dann mit einem österlichen Freudenmahl die Auferstehung Jesu gefeiert. Daraus haben sich die drei Tage von Karfreitag bis Ostern entwickelt. Im 4. Jahrhundert bildete sich schließlich eine vierzigtägige Vorbereitungszeit heraus. Vierzig Tage (oder vierzig Jahre) – in der Bibel ist das eine symbolische Zahl. Sie beschreibt eine Zeit der Vorbereitung und des Übergangs.

An Jesu Leiden und Tod und an seine Auferstehung erinnert diese Zeit, und damit an den Ursprung unseres Glaubens. Und es geht darum, selbst einen Weg mitzugehen. Ursprünglich bereiteten Taufbewerber sich in den vierzig Tagen vor Ostern auf ihre Taufe vor. Daraus entwickelte sich eine besondere Zeit der inneren Einkehr. Gemeinsam mit den Täuflingen ging die Gemeinde den Weg des Glauben-Lernens noch einmal mit. Erst allmählich konzentrierte sich die Vorbereitung vor allem auf Fastenbräuche. Sie haben dieser Zeit ihren Namen und ihr Gepräge gegeben.

An den Sonntagen wird jedoch nicht gefastet. Jeder Sonntag ist ein kleiner Auferstehungstag. Darum wurde im Mittelalter der Beginn der Fastenzeit nochmal ein paar Tage vorverlegt, auf den Aschermittwoch. Von da bis Karsamstag sind es nun (ohne die Sonntage) vierzig Tage.
Vierzig Tage und sechs Sonntage, die eine reiche Tradition haben – und zu denen von Anfang an mehr als Fasten gehört hat. Man kann sie in liturgischen Besonderheiten erleben. Oder musikalisch.

Es gibt Passionsandachten und Exerzitien. Oder man kann sich „Sieben Wochen ohne“ vornehmen. Inzwischen sind es übrigens eher „Sieben Wochen mit“ - die Aktion trägt diesmal den Titel: „Zuversicht! - Sieben Wochen ohne Pessimismus.“ Parallel dazu rufen evangelische und katholische Kirche noch zu einer anderen Fastenaktion auf: „So viel du brauchst“. Sie stellt Klimaschutz und Klimagerechtigkeit in den Mittelpunkt.

Ob Sie selbst sich in diesem Jahr einladen lassen, diese vierzig Tage mitzugehen? Auf dem Weg zwischen Aschermittwoch, Karfreitag und Ostern wünsche ich Ihnen jedenfalls neue und ermutigende Erfahrungen, für sich selbst und mit anderen zusammen; Erfahrungen, die den Glauben vertiefen und bereichern.

Elisabeth Hege


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